Klassenfahrt 2019

„Klassenfahrts-Tagebuch“

Tag 1:

Nach fast viereinhalb Stunden Busfahrt im komfortablen Partybus kamen 60 Viertklässler,  5 Lehrkräfte, eine I-Kraft und die Klassentiere Paul, Piet, Knut, Lars, Sam und Silli sehr wohlbehalten im schönen Wangerland an.
Die Jugendherberge Schillighörn überraschte uns im frisch renovierten Gewand und vielen angenehmen Neuerungen.
Zunächst hieß es mal: Kajüten kapern, Kojen belegen und beziehen. Letzteres erwies sich als fast unüberwindbares Hindernis für einige der mitreisenden Leichtmatrosen, konnte aber mit tatkräftiger Unterstützung der gesamten Mannschaft bewältigt werden.
Danach trafen wir uns im gemeinsamen Erholungs – und Aufenthaltsraum „frische Brise“ und fielen über das reichhaltige Spendenbuffet her ( Dank an alle  Eltern)
Gestärkt und voller Tatendrang eroberten wir dann unsere Umgebung: Schilligralley. In Gruppen gab es kniffelige Aufgaben zu lösen: eine Nr. auf einem Blumentopf an der Rezeption?, wie heißt denn der Badearzt?, ein winziges Gebäude finden und herauskriegen, wie es heißt, wie viele Stufen hat das Grünhaus?, wann fährt der Bus wo ab? usw.
Das hat Spaß gemacht und schnell war es schon Zeit für das Abendessen. Dieses wird hier auch als Buffet gereicht und alle Kinder fanden, was ihnen schmeckt und wurden satt.
Das Wetter zeigte sich den ganzen Tag friesisch herb, aber trocken und zeitweise sonnig, so dass wir am Abend noch einen ausgiebigen Strandspaziergang zum Strandspielplatz unternehmen konnten.

Nordseeluft macht ja bekanntlich müde und so konnten die aufsichtsführenden Erwachsenen bereits um 23 Uhr verkünden: alle Kinder schlafen.

Tag 2:

Türen schlagen, Kinderstimmen, Getrampel und Geklapper! 6.45 Uhr, die Nacht schien vorbei zu sein. Alle Kinder waren ausgeschlafen, glücklich und zufrieden. Die ersten scharrten bereits eine Stunde vor dem Frühstück mit den Füßen vor dem Speisesaal.

Eine tolle Truppe ist da unterwegs: Tischdienst, Frühstück, Lunchpaket herrichten, abräumen, Taschengeld abholen, Zimmer aufräumen, Rucksack packen, aufstellen. Alles Routine!
Um 10.00 Uhr holte uns ein einheimisches Busunternehmen ab und brachte die ganzen Landratten nach Hooksiel zum Hafen. Störtebecker Schiffsrundreise stand auf dem Programm.
Ein aufregendes Abenteuer.
Jetzt sind alle Kinder Experten rund um Schiffskunde, Fischfang, Ebbe und Flut, Leuchttürme, Sandbänke und natürlich Kegelrobben. Am eindrucksvollsten waren wohl die Erklärungen des Kapitäns zum Netzfang. Unglaublich was in wenigen Minuten aus der Nordsee herauszufischen ist: Seesterne, Schlangensterne, Krebse, Krabben, Knurrhähne, Meeresdorsch und jede Menge verschiedene Muscheln.

Nach tatsächlich fast dreieinhalb Stunden Schifffahrt vorbei an den Seehundbänken, der Insel Wangerooge und einigen Leuchtürmen, inclusive friesischem „Schittwedder“, gingen wir in Horumersiel wieder an Land.
Nun hieß die Devise: shoppen, shoppen, shoppen. Nicht zu fassen, was Kinderaugen in den zahlreichen vollgestopften Regalen der Souvenirläden, die wie Perlen an der Kette in diesem netten Touristenort vorzufinden sind, alles finden. Größtenteils pleite und mit tiefer Zufriedenheit über die Errungenschaften und Schnäppchen, machten wir uns über den Deich, durch Dünen und Wiesen zurück auf den Weg zur Jugendherberge.
Mit roten Bäckchen, müden Füßen und knurrendem Magen freuten sich nun alle auf ein deftiges Abendessen.
Kulinarisch wird in der JH täglich eine andere Flagge gehisst. Mit schwedischem Köttbullar waren aber alle mehr als zufrieden.

Das Abendprogramm sollte alles sein, nur nicht langweilig. Aber bunt gemischt. 60 Kinder haben völlig unterschiedliche Bedürfnisse, daher gab es mal für jeden Etwas: Drachen steigen lassen auf dem Deich, nach Herzenslust matschen im Watt und Herr Neumann mittenmang dabei. Musik und Spiele mal ganz ausführlich mit den Lehrerinnen, ohne von einer Schulglocke unterbrochen zu werden. Gegen 21.30 sanken die ersten Köpfe auf den Tisch. Aufräumen, waschen, Zähne putzen, Schlafi an und ab ins Bett. Ach wie ist sie doch immer wieder ein wertvoller Helfer, diese Nordseeluft. Müde, zufriedene Kinder, die die Nachtruhe der Herberge um 22.00 sehr ernst nehmen. So schön.

 

Tag 3:

7.00 Uhr! Stille! Ruhe! Kein Geräusch! Nirgendwo! Nichts! Gar nichts!
Hat über Nacht jmd. alle Kinder geklaut? Nein! Natürlich nicht!
Flächendeckender, frischluftbedingter Tiefschlaf hinter jeder Zimmertür. Es zerreißt einem Lehrer quasi das Herz, diese Stille zu unterbrechen.
Es hilft ja aber nichts. Frühstück ab 7.30 Uhr.
Heute schon ein Ritual, das zelebriert wird, als hätten unsere sechzig Frieslandbesucher niemals etwas anderes gemacht. Auch das Befüllen der Lunchboxen und das Tischeabwischen war überhaupt kein Thema.
Petrus hatte ein Erbarmen mit uns und schickte bis in die Mittagsstunden noch ein paar Portionen Sommer. So ein Glück! Endlich schwimmen im Meer!
Meer? Wie? Wo? Was? Öh?Ah? Iiih? Wer um alles in der Welt, hat denn hinterm Deich das Wasser weggeschaufelt?

Naja. „Datt Watt“ hat ja auch so seine Möglichkeiten. Welche soll hier mal unkommentiert bleiben, die Fotos sprechen für sich.
Ab 14.00 Uhr meinte der gnädige Wettergott allerdings es sei jetzt genug des Matschens und Plantschens und zog einen grauen Vorhang vor die Sonne, der offensichtlich Wässerungsabsichten hatte. Regen! Viel Regen! Schon wieder „Schittwedder“.
Aber so hatten wir alle genug Zeit und Muße uns mit den kreativen Angeboten zu beschäftigen. Muschelketten, bunte Muscheln, Leuchttürme, Loombänder, Fotobilder, Postkarten schreiben und gestalten. Stillsitzen war da jetzt mal gar kein Problem, es wurde geklebt, gemalt, gebastelt, geknotet, geschrieben, gelacht, gescherzt, erzählt.
Auch solche Stunden sind bei einer Klassenfahrt zur Stärkung des Gemeinschaftsgefühls wichtig und notwendig.
Außerdem bot sich dabei endlich die Gelegenheit über den Süsskram und die Knabbereien herzufallen, die ja in großen Mengen vorhanden waren. Betonung liegt auf „waren“.
Zum Abendessen schrieb der Koch „Wattwürmer und Krebse“ auf seine Ankündigungstafel. Das führte schon Stunden vorher zu wilden Spekulationen: „Sind da noch Beine dran? Muss ich die Augen mitessen? Kann man Würmer denn essen? Wie groß sind die?“ Sehr lustig.
Hier im Norden kommt die gegrillte Bratwurst als Wattwurm daher und die Frikadelle hat sich als Krebs verkleidet. Große Erleichterung im Speiseraum und zufriedenes Schmatzen.
Nach dem Essen mussten aber alle Abenteurer unbedingt noch mal an die frische Nordseeluft, Regen hin oder her, denn bekanntlich gibt es ja kein schlechtes Wetter, sondern nur falsche Kleidung. „Nachtwanderung“, mit Fackeln und Gesang über den Deich. Spannend, aufregend und sehr lustig.
Danach marschierten die meisten Kinder sogar unaufgefordert Richtung Bett und der Rest ohne Murren.
Gute Nacht ihr Landratten.
( Das war übrigens der dritte Abend komplett ohne Jammern oder Weinen. Heimweh? Dafür haben wir keine Zeit!)

Tag 4:

Die Jugendherberge Schillig ist schon allein deshalb ein lohnenswertes Ziel ( jedenfalls aus Lehrersicht), weil das Frühstück alle zwei Tage erst um 8.30 beginnt. Ansonsten hätten die Kinder wohl heute ohne Aufsicht frühstücken müssen.
Der Blick aus dem Fenster hat uns jetzt auch nicht gerade wachgerüttelt. Kommentar vom Küchenchef: „Heute habt ihr echtes friesisches Wetter.“ Sehr witzig.
Eigentlich stand ja Wattwanderung auf dem Programm, aber wenn das Wasser von oben dem Meer unten Konkurrenz macht…
Der Wattführer allerdings hatte ein sonniges Gemüt und war der Meinung Schauer seien etwas anderes als Regen. Sowas kann auch nur einem Friesen einfallen.
Um halb zehn stiefelte dann die erste Gruppe ins Watt gefolgt von der zweiten um halb zwölf!
Dazu gibt es nicht viel zu berichten. Die Fotos sagen mehr als 1000 Worte.
Jedenfalls waren alle Kinder danach gut durchgeweht und absolut begeistert.
Nun hieß es: duschen, umziehen, aufräumen und die ersten Sachen in die Koffer packen, Mülleimer leeren, Zimmer fegen. Danach wurde der Zimmer TÜV abgenommen. Das Bestehen war gleichzeitig die Eintrittskarte für die Abschiedsdisko.
Uih, uih, uih! Wir Lehrer haben weder geahnt, welche Schminkkünste in unseren Mädchen lauern, noch wie viel Wert unsere Jungen auf ihr Aussehen legen und schon gar nicht wie viele Diskohits komplett von allen auswendig gesungen werden konnten.
Ein toller letzter Abend!
Leider müssen wir morgen wieder nach Hause. Wir alle sind da zwiegespalten: alle freuen sich auf zu Hause, aber alle würden auch gerne noch ein wenig hier bleiben, zumal das Wetter nächste Woche wieder sommerlich werden soll. Welch eine Ungerechtigkeit.
Nachtruhe heute übrigens bereits um 22.10 Uhr, trotz Disko. Perfekt.
Eine tolle Klassenfahrt mit vielen wertvollen Erfahrungen. Wir hoffen die Klassen können lange davon profitieren.

Tag 5: